PräventivFit 13 | Stille Entzündung erkennen
- Matthias Glöckner
- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Der unsichtbare Risikofaktor moderner Erkrankungen.
Viele chronische Erkrankungen entwickeln sich nicht plötzlich – sie entstehen leise. Eine sogenannte stille Entzündung (auch low-grade inflammation oder silent inflammation) verläuft meist unbemerkt und schmerzfrei, ohne klassische Entzündungszeichen wie Fieber, Rötung oder Schmerzen. Gerade das macht sie so gefährlich.
Dennoch hinterlässt diese Form der chronischen Entzündung messbare Spuren im Körper. Bestimmte Laborwerte, körperliche Veränderungen und Lebensumstände können Hinweise darauf geben, dass sich entzündliche Prozesse bereits etabliert haben.
1. Laborwerte – die objektivsten Marker
Die zuverlässigsten Hinweise liefern Laboruntersuchungen – vor allem in Kombination mit dem individuellen Risikoprofil. Relevant sind unter anderem:
Entzündungs- und Gerinnungsproteine
Zytokine als Botenstoffe des Immunsystems
Akute-Phase-Reaktionen
Veränderungen der Immunzell-Anzahl
Ein einzelner Wert ist selten aussagekräftig – entscheidend ist das Gesamtbild.
2. Subjektive, indirekte Anzeichen
Auch wenn stille Entzündungen keine klaren Symptome verursachen, können unspezifische Beschwerden in ihrer Gesamtheit Hinweise liefern:
Chronische Müdigkeit, Erschöpfung
Anhaltender Stress oder Schlafmangel
Zunahme von Bauchfett (viszerale Adipositas)
Depressive Verstimmungen, Konzentrationsprobleme
Muskel- oder Gelenksteifigkeit ohne klare Ursache
Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Völlegefühl (Hinweis auf mögliche Dysbiose)
3. Risikofaktoren, die stille Entzündungen begünstigen
Bestimmte Lebensstilfaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine chronisch-entzündliche Stoffwechsellage deutlich:
Ernährung mit hohem Zucker-, Transfett- oder Alkoholanteil
Bewegungsmangel
Übergewicht, insbesondere Bauchfett
Rauchen
Chronischer Stress
Umweltbelastungen
Schlechter oder zu kurzer Schlaf
Treffen mehrere Faktoren gleichzeitig zu, ist eine stille Entzündung sehr wahrscheinlich – auch bei subjektivem Wohlbefinden.
Welche Zusammenhänge fördern stille Entzündungen?
Diese Frage steht im Zentrum moderner Präventivmedizin. Die westliche Lebensweise – insbesondere typische Ernährungs- und Bewegungsmuster – können über Jahre hinweg biologische Kausalketten auslösen, die zu stillen Entzündungen und langfristig zu chronischen Erkrankungen führen.
Kausalkette:

Westliche Ernährung & Lebensweise → stille Entzündung → chronische Erkrankungen
Auslöser: Ernährung & Lebensstil
Faktor | Wirkung |
Zuckerüberschuss / raffinierte Kohlenhydrate | Blutzuckerspitzen, Insulinresistenz, oxidativer Stress |
Transfette / Omega-6-Überschuss | Förderung proinflammatorischer Botenstoffe |
Stark verarbeitete Lebensmittel / Emulgatoren | Störung der Darmbarriere („Leaky Gut“) |
Alkoholkonsum | Darmdysbiose, Leberentzündung |
Bewegungsmangel | Reduzierte antioxidative Abwehr, gestörter Glukosestoffwechsel |
Chronischer Stress / Schlafmangel | Dysregulation der HPA-Achse, Immunstörung |
Ballaststoffarme Kost | Mangel an kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs), Mikrobiom-Fehlsteuerung |
Folge: Entwicklung stiller Entzündungen
Dauerhaft aktivierte Immunzellen
Erhöhte proinflammatorische Zytokine
Aktivierung des mTOR-Signalwegs in Immunzellen
Entzündungsherde im Fettgewebe, Darm und Gefäßendothel

Langfristige, organübergreifende Folgen
Organsystem | Mögliche Folge |
Herz & Gefäße | Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall |
Stoffwechsel | Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes |
Gehirn | Neuroinflammation, Depression, kognitive Einschränkungen |
Knochen & Gelenke | Osteopenie, Arthrose, Gicht |
Immunsystem | Autoimmunprozesse, Immunseneszenz |
Darm | Dysbiose, Reizdarm, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen |
Leber | Fettleber (NAFLD), metabolisches Syndrom |
Beispielhafte Kausalkette
Zuckerreiche, ballaststoffarme Ernährung→ Blutzucker- und Insulinspitzen→ Aktivierung entzündlicher Signalwege in Immunzellen→ chronische Entzündung & Endothelschädigung→ Arteriosklerose ohne Symptome→ Herzinfarkt mit 55 – trotz „normalem Cholesterin“

Warum ist das so relevant?
Weil diese Prozesse frühzeitig beeinflussbar sind. Prävention setzt genau dort an, wo die Kausalketten beginnen:
Ernährung
Bewegung
Schlaf- und Stressregulation
Unterstützung eines gesunden Mikrobioms

Fazit
Stille Entzündungen bleiben oft unbemerkt – aber sie sind messbar. Die Kombination aus sensiblen Laborwerten und individuellem Risikoprofil liefert die besten Hinweise. Die westliche Lebensweise schafft häufig den Nährboden für chronische Entzündung – doch wer die Zusammenhänge versteht, kann gezielt gegensteuern.
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Fachbegriffe verständlich erklärt
Fachbegriff | Erläuterung |
Stille Entzündung / Low-Grade Inflammation | Chronisch leicht erhöhte Entzündungsaktivität ohne akute Symptome; zentraler Risikofaktor für viele chronische Erkrankungen. |
Zytokine | Entzündungs-Botenstoffe des Immunsystems, die Stoffwechsel und Gefäße beeinflussen. |
Akute-Phase-Reaktion | Unspezifische systemische Antwort des Körpers auf Entzündungen, messbar über bestimmte Blutproteine. |
Viszerale Adipositas | Fettgewebe im Bauchraum; besonders stoffwechselaktiv und stark entzündungsfördernd. |
Mikrobiom | Gesamtheit der Darmmikroorganismen; beeinflusst Immunfunktion, Stoffwechsel und Entzündungsstatus. |
Dysbiose | Ungleichgewicht der Darmflora, häufig verbunden mit Entzündung und Stoffwechselstörungen. |
SCFAs (kurzkettige Fettsäuren) | Stoffwechselprodukte ballaststoffabbauender Darmbakterien; wirken entzündungshemmend und gefäßschützend. |
Leaky Gut | Erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere, wodurch entzündungsfördernde Substanzen ins Blut gelangen. |
mTOR-Signalweg | Zentraler Regulationsmechanismus für Zellwachstum und Immunaktivität; Überaktivierung fördert Entzündung. |
Endothel | Innere Auskleidung der Blutgefäße; früh durch Entzündung geschädigt, zentral für Arteriosklerose. |
Subklinische Arteriosklerose | Frühstadium der Gefäßverkalkung ohne Symptome, aber bereits messbare Gefäßveränderungen. |
HPA-Achse | Stressregulationssystem (Hypothalamus-Hypophyse-Nebenniere); chronische Aktivierung fördert Entzündung. |
Immunseneszenz | Altersbedingte Fehlregulation des Immunsystems, verstärkt durch chronische Entzündung. |
Quellenangaben
Die Auswahl fokussiert sich bewusst auf stille Entzündung, westliche Lebensweise, Stoffwechsel- und Gefäßgesundheit sowie präventiv relevante Mechanismen.
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Matthias Glöckner

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