PräventivFit 09.1 | Lithium & Alzheimer
- Matthias Glöckner
- 1. Sept. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Warum ein Lithium-Mangel das Gehirn anfälliger machen kann
Alzheimer beginnt oft schleichend – doch unser Wissen muss es nicht.
Bei Longevity1st möchten wir dich dabei unterstützen, die Chancen der Lebensstilmedizin und ernährungsmedizinischen Prävention zu erkennen – verständlich, fundiert und mit dem Ziel, dein Gehirn aktiv und gesund zu halten.
Alzheimer verstehen und vorbeugen: Was sagt die aktuelle Forschung?
Ursachen, Prävention und neue therapeutische Ansätze,
basierend auf aktuellen Studien
Verfasst von: Matthias Glöckner, Gesundheitscoach Ernährungsmedizin
Datum: September 2025
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Einführung
Eine aktuelle Veröffentlichung, 06. August 2025, Nature, „Lithium deficiency and the onset of Alzheimer’s disease“, gibt neue Hinweise
Hintergrund der Studie:
Die Forscher wollten herausfinden, ob ein Mangel an Lithium – einem natürlich vorkommenden Spurenelement – mit der Entstehung von Alzheimer zusammenhängen könnte. Dazu haben sie das Gehirngewebe von verstorbenen Menschen untersucht, die entweder gesund waren oder an Alzheimer litten.
Was wurde entdeckt?
Die wichtigsten Erkenntnisse auf den Punkt gebracht:
1. Weniger Lithium – mehr Tau-Ablagerungen
In Gehirnregionen, die von Alzheimer besonders stark betroffen sind, war der Lithiumgehalt deutlich niedriger.
Gleichzeitig fanden sich dort mehr Tau-Ablagerungen – also die typischen Proteinveränderungen, die Alzheimer verursachen.
2. Lithium schützt Nervenzellen

Lithium scheint eine Art Schutzschild für das Gehirn zu sein:
Es verhindert die krankhafte Veränderung (Phosphorylierung) des Tau-Proteins.
Es unterstützt die Zellgesundheit, den Stoffwechsel und die Reparaturmechanismen.
3. Ein Mangel stört das Gleichgewicht
Ein dauerhafter Lithium-Mangel führt zu Zellstress, Entzündungen und gestörtem Energiestoffwechsel – alles Prozesse, die Alzheimer fördern.
Wie wurde das nachgewiesen?
Die Forscher verwendeten modernste bildgebende Verfahren, Einzelzellanalysen und biochemische Messungen.
Sie untersuchten sowohl Gehirnproben von Verstorbenen als auch Versuche an Zellkulturen.
Dabei stellten sie fest: Wird Lithium entzogen, treten frühe Alzheimer-Merkmale schneller auf.
Was bedeutet das für uns?
Diese Studie liefert starke Hinweise darauf, dass ein ausreichend hoher Lithiumspiegel im Gehirn schützend wirken kann – besonders im Alter. Auch wenn Lithium als Medikament bekannt ist (z. B. bei Depressionen), könnte eine milde Ergänzung in Mikrodosen (als Lithiumorothat) möglicherweise präventiv gegen Alzheimer wirken.
Vereinfacht gesagt: „Fehlt dem Gehirn Lithium, verliert es einen seiner wichtigsten Zellschützer.“
Wie Alzheimer im Körper begünstigt wird – der stille Kreislauf im Hintergrund
1. Insulinresistenz im Gehirn
Wenn Zellen im Gehirn weniger empfindlich auf Insulin reagieren (wie bei Typ-2-Diabetes), spricht man von Insulinresistenz.
Dadurch wird das Gehirn schlechter mit Energie versorgt – und wichtige Schutzfunktionen fallen aus.
Gleichzeitig bleibt mehr Insulin im System, das eigentlich abgebaut werden müsste.
2. IDE – das „Aufräumen“ gerät ins Stocken
Das Enzym IDE (Insulin-Degrading Enzyme) baut normalerweise Insulin und Beta-Amyloid ab.
Bei zu viel Insulin hat IDE keine Kapazität mehr für Beta-Amyloid → dieses lagert sich ab und bildet Amyloid-Plaques.
Diese Plaques gelten als frühe, schädliche Veränderungen im Gehirn, die später zu Alzheimer führen können.
3. Amyloid-Plaques binden Lithium
Wenn sich immer mehr Amyloid-Plaques bilden, können sie Lithium aus dem Zellumfeld binden.
Das ist problematisch, denn Lithium wirkt eigentlich schützend auf Nervenzellen, z. B. durch:
Hemmung schädlicher Enzyme (z. B. GSK-3β)
Unterstützung des Zellstoffwechsels
Förderung der Reparaturmechanismen
--> Je mehr Amyloid, desto weniger freies Lithium – desto weniger Schutz fürs Gehirn. Ein sich selbst befeuernder Teufelskreis.
4. Myelinscheiden werden geschwächt
Die Myelinscheiden sind schützende Hüllen um Nervenzellen – sie sorgen dafür, dass Signale schnell und fehlerfrei übertragen werden.
Bei Insulinresistenz, oxidativem Stress und Lithium-Mangel werden diese Hüllen dünner, löchriger oder abgebaut.
Das Gehirn verliert dadurch an Effizienz, Reaktionsschnelligkeit und Belastbarkeit – typische Vorzeichen von kognitivem Abbau.
Der Teufelskreis – einfach erklärt:
Insulinresistenz belastet das System → das Enzym IDE ist überfordert → Beta-Amyloid wird nicht abgebaut → es bildet Plaques → diese binden Lithium → das Gehirn verliert Schutzfaktoren → die Nervenzellen (inkl. Myelinscheiden) werden beschädigt → Alzheimer-Risiko steigt.
Was heißt das für dich?
Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Blutzuckerregulation und eine gezielte Versorgung mit Mikronährstoffen wie Lithium können helfen, diesen Kreislauf frühzeitig zu durchbrechen oder gar nicht erst entstehen zu lassen.
Was kann man daraus ableiten?
Eine gezielte Versorgung mit Mikro-Lithium (in sehr niedriger Dosis) könnte künftig Teil von Präventionsstrategien gegen Alzheimer sein.
Besonders Menschen mit Diabetes, Stoffwechselstörungen oder familiärer Alzheimerbelastung könnten davon profitieren – dies muss jedoch medizinisch begleitet werden.
Fazit
Die bahnbrechende Studie zeigt eindrucksvoll, dass ein Mangel an Lithium im Gehirn mit der frühen Entstehung von Alzheimer in Verbindung steht. Lithium wirkt dabei wie ein zellschützender Regulator, der schädliche Eiweißveränderungen (insbesondere des Tau-Proteins) begrenzt, Entzündungen dämpft und die Nervenzellen stabilisiert.
Ein dauerhaft niedriger Lithiumspiegel – sei es durch Ernährung, Alter oder Umweltfaktoren – kann dem Gehirn diesen Schutz entziehen und die Tür für neurodegenerative Prozesse öffnen.
Kurz gesagt: Ein ausreichender Lithiumstatus könnte ein unterschätzter Schlüssel zur Erhaltung geistiger Gesundheit im Alter sein – besonders als Teil eines ganzheitlichen Lebensstilkonzepts zur Alzheimer-Prävention.
Dein Lebensstil schreibt mit an deiner Zukunft – warum nicht heute schon bewusster l(d)enken?
Bei Longevity1st zeigen wir dir, wie Ernährung, Mikronährstoffe und Alltagselemente gezielt zur Prävention beitragen können.
Welche Potenziale schlummern in deinem Stoffwechsel? – Finde es mit uns heraus.
Fachbegriffe und ihre Bedeutung
Fachbegriff | Laienverständliche Erklärung |
Lithium | Natürliches Spurenelement, das im Körper in sehr geringen Mengen vorkommt und schützend auf Gehirnzellen wirken kann. |
Tau-Protein | Strukturprotein in Nervenzellen, das die Transportwege in der Zelle stabilisiert – bei Alzheimer oft fehlgefaltet. |
Hyperphosphorylierung | Übermäßige chemische Veränderung von Proteinen durch Anhängen von Phosphatgruppen – macht z. B. Tau schädlich. |
Amyloid-Plaques | Ablagerungen eines falsch gespaltenen Eiweißes (Beta-Amyloid) außerhalb von Nervenzellen – typisch für Alzheimer. |
Neurodegeneration | Fortschreitender Verlust oder Abbau von Nervenzellen im Gehirn. |
GSK-3β (Glycogen Synthase Kinase 3 beta) | Enzym, das unter anderem Tau-Proteine verändert – Lithium kann es hemmen und so schädliche Prozesse bremsen. |
Myelinscheiden | Schützende Hülle um Nervenzellen, vergleichbar mit der Isolierung eines Stromkabels – wichtig für schnelle Signalweiterleitung. |
Blut-Hirn-Schranke | Schutzbarriere zwischen Blut und Gehirn – kontrolliert, welche Stoffe ins Gehirn gelangen dürfen. |
Zellstress / oxidativer Stress | Ungleichgewicht in der Zelle durch freie Radikale – kann Zellen schädigen, wenn Schutzmechanismen fehlen. |
Einzelzelltranskriptomik | Moderne Analysemethode, mit der man herausfinden kann, welche Gene in einzelnen Zellen aktiv sind. |
Entzündungsreaktion / Neuroinflammation | Immunantwort im Gehirn, die bei Alzheimer überaktiv sein kann und zusätzlichen Schaden verursacht. |
Mikrodosierung | Sehr geringe, therapeutisch wirksame Mengen eines Wirkstoffs – z. B. bei Lithium im Spurenbereich (µg bis 1 mg). |
Diese Begriffe verdeutlichen, dass Alzheimer nicht nur eine genetische oder altersbedingte Erkrankung ist, sondern eng mit Stoffwechselprozessen, Energieverfügbarkeit, antioxidativen Kapazitäten und Entzündungs-mechanismen verknüpft ist.
Melde Dich gerne bei Longevity1st für eine personalisierte Beratung, um Deinen Alltag langfristig nährstoffbewusst zu gestalten, passende Alternativen für Dich zu finden und eine persönliche Gesundheitsstrategie zu entwickeln.
Quelle
Aron, L., Ngian, Z.K., Qiu, C. et al. Lithium deficiency and the onset of Alzheimer’s disease. Nature (2025). https://doi.org/10.1038/s41586-025-09335-x
Gesund bleiben, energiegeladen leben!
Matthias Glöckner

Verstehen | Anwenden | Profitieren
Haftungsausschluss
Dieser Beitrag basiert auf sorgfältiger Recherche, kann jedoch Fehler, Unvollständigkeiten oder veraltete Informationen enthalten. Er dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Für gesundheitliche Fragen oder Behandlungen konsultieren Sie bitte eine qualifizierte Fachkraft. Eine Haftung für die Nutzung der Inhalte wird nicht übernommen.

Kommentare